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Wenn ich als Priester einer
Hochzeitsfeier vorstehen darf, dann trage ich immer
ein rotes Messgewand. Das irritiert die Sakristaninnen
und Sakristane sehr, denn normalerweise wird ein
festliches, goldenes Gewand getragen. Schliesslich ist
die Hochzeit ein frohes, festliches Ereignis. Wenn ich
dann gefragt werde, warum ich Rot trage, gebe ich zur
Antwort: «Entweder ist es Liebe oder Martyrium!»
Wenn wir im Gottesdienst das rote
Messgewand tragen, dann hat dieser Farb-Ausdruck mit
der Liebe und mit dem Martyrium zu tun. Es gibt seit
Beginn des Christentums Menschen, die wegen ihres
Glaubens an Christus den Gekreuzigten und
Auferstandene enorm leiden und sogar getötet werden.
Es fliesst Blut, weil sie aus reinster Liebe zu
Christus von ihrer Überzeugung nicht weg zu bringen
waren. Denken wir z.B. an Diakon Stephanus, den wir
bereits nach Weihnachten am 26. Dezember feiern, der
erste Märtyrer der Glaubensgemeinschaft. Er wurde zu
Tode gesteinigt. Wie weit würden wir eigentlich
gehen, frage ich mich immer wieder? Sein Leben
hingeben, opfern, für Christus? Oder wie billig
würden wir uns aus der Schlaufe ziehen? Durch die
ganze Kirchengeschichte hindurch gab es Frauen und
Männer, die wussten, zu wem sie gehörten. Keine
Waffe, keine Ideologie konnten sie abnabeln, endete
ihr Bekenntnis noch so brutal. Immer schon hat die
Kirche besonders jenen Menschen gedacht, welche
unerschrocken und alles andere als lau und
unverbindlich alles in Kauf genommen haben, um ihren
Glauben zu bewahren. Im Märtyrertod wurden sie
Christus am Kreuz ähnlich, der sich aus reinster
Liebe für uns hingegeben hat. Ich bedauere sehr, dass
gerade die vielen Märtyrergestalten der Kirche, wie
so vieles, in Vergessenheit geraten sind. Wir leben
so, als hätte es sie nie gegeben. Wir äussern uns
so, als hätte nur die Kirche getötet! Dabei waren es
diese Menschen, die durch ihr Blut die heranwachsenden
Glaubenspflänzchen tränkten. Wenn einer oder eine
getötet wurde, liessen sich drei taufen. Vielleicht
sollte es uns gerade in der heutigen Zeit langsam
dämmern, dass wir den Himmel und die Kirche nicht
töten können. Je mehr gehasst und verunglimpft wird,
umso mehr lassen die Märtyrerinnen und Märtyrer ihre
Liebe vom Himmel regnen, um all jene zu stärken, die
geduldig ausharren.
An Pfingsten wird Rot getragen, als
Zeichen des Feuers und Sinnbild des Heiligen Geistes.
Ebenso an Firmungen, wo wir um die Gaben des Heiligen
Geistes bitten, kommt Rot zum Leuchten.
Der Palmsonntag steht ganz im Zeichen von Rot. Wir
begleiten Christus in die Stadt Jerusalem, um mit ihm
die Feier der Karwoche zu vollziehen. Ein Liebesakt
unsererseits, denn was in dieser Woche geschieht, ist
ein Akt der Liebe Gottes uns Menschen gegenüber. Wir
sind mit Christus in seinen Tod hinein begraben
(getauft), um mit ihm in der Auferstehung zu leben.
Rot ist die Liebe.
René Hügin, Pfarrer
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